FIRE in Deutschland: Finanzielle Unabhängigkeit realistisch planen
FIRE steht für „Financial Independence, Retire Early“: so viel Vermögen aufbauen, dass man davon leben kann, lange bevor die gesetzliche Rente beginnt. Die Formel, mit der die Bewegung rechnet, stammt aus den USA und ist bestechend einfach. Wer das 25-Fache seiner jährlichen Ausgaben besitzt, gilt als finanziell unabhängig. Für Deutschland taugt diese Faustregel allerdings nur als grobe Orientierung. Auch wer mit Anfang 50 aufhört, bekommt hier ab 67 eine gesetzliche Rente, die einen großen Teil seiner Ausgaben übernimmt. Bis dahin kostet ihn die Krankenversicherung Monat für Monat einen Betrag, der in der Formel nicht vorkommt. Und die Steuern fallen in den Jahren ohne Gehalt meist deutlich niedriger aus, als viele befürchten.
Was das konkret bedeutet, haben wir für eine 32-jährige Angestellte durchgerechnet, die 40 Prozent ihres Nettoeinkommens spart. Nach der 25-fach-Regel wäre sie mit 55 finanziell unabhängig, rechnet man die Krankenversicherung ein, erst mit 57. Mit der deutschen Rechnung, in der die gesetzliche Rente ab 67 berücksichtigt ist, kann sie bereits mit knapp 53 aufhören, 14 Jahre vor der Regelaltersgrenze. Wirklich belastbar wird ihr Plan allerdings erst mit 55. Wir zeigen, wie viele Jahre eine bestimmte Sparquote bis zur finanziellen Unabhängigkeit bedeutet, wie viel Kapital ein Ausstieg mit 50, 55 oder 60 erfordert, was er an Rente kostet und welche Stellschraube am meisten bewegt.
Was ist die FIRE-Bewegung?
Die Idee ist älter als ihr Name. 1992 erschien in den USA das Buch „Your Money or Your Life“ von Vicki Robin und Joe Dominguez, das Konsum konsequent in Lebensarbeitszeit umrechnet und den Ausstieg aus der Erwerbsarbeit als erreichbares Ziel beschreibt. Das rechnerische Fundament lieferten zwei Arbeiten über Entnahmen aus Wertpapierdepots: die Untersuchung des Finanzplaners William Bengen von 1994 und die sogenannte Trinity-Studie von 1998. Aus ihnen stammt die 4-Prozent-Regel, auf der die bekannte FIRE-Formel beruht. Zur Bewegung wurde FIRE erst in den 2010er-Jahren, vor allem durch Blogs, deren Autoren vorrechneten, wie sie mit hohen Sparquoten schon in ihren Dreißigern aufgehört hatten zu arbeiten.
In Deutschland wurde das Thema vor allem unter dem Stichwort Frugalismus bekannt. Frugalisten leben bewusst sparsam und legen den Rest ihres Einkommens an; nicht alle wollen deshalb früh in Rente gehen. FIRE beschreibt dagegen ein finanzielles Ziel, und der Teil „Retire Early“ ist dabei weniger wörtlich gemeint, als er klingt. Für viele steht die Unabhängigkeit im Vordergrund: die Freiheit, eine Stelle zu kündigen, Teilzeit zu arbeiten, ein Sabbatjahr einzulegen oder etwas zu tun, das wenig einbringt. Wer finanziell unabhängig ist, muss nicht mehr arbeiten. Ob er es trotzdem tut, ist eine andere Frage.
Die FIRE-Varianten im Überblick
Mit der Zeit haben sich mehrere Spielarten herausgebildet, die sich vor allem in zwei Punkten unterscheiden: wie hoch das Budget im Ruhestand sein soll und ob man ganz oder nur teilweise aufhört zu arbeiten.
| Variante | Idee | Passt vor allem für |
|---|---|---|
| Lean FIRE | Unabhängigkeit mit sehr niedrigem Budget; das Zielvermögen ist klein, der finanzielle Spielraum ebenso | sparsame Singles mit niedrigen Wohnkosten |
| Fat FIRE | Unabhängigkeit mit großzügigem Budget; erfordert ein entsprechend hohes Vermögen | Haushalte mit hohem Einkommen |
| Coast FIRE | Das Depot ist groß genug, um ohne weitere Sparrate bis zum Rentenalter auf die Zielsumme zu wachsen; danach müssen nur noch die laufenden Ausgaben verdient werden | alle, die früh viel gespart haben und jetzt weniger arbeiten wollen |
| Barista FIRE | Ein Teilzeitjob deckt einen Teil der Ausgaben, das Depot den Rest | alle, die weniger, aber nicht gar nicht arbeiten wollen |
Coast FIRE und Barista FIRE haben in Deutschland einen Vorteil, den viele unterschätzen: Wer mit einer sozialversicherungspflichtigen Teilzeitstelle oberhalb der Minijob-Grenze von 603 Euro weiterarbeitet, ist wieder pflichtversichert, zahlt also nur den Arbeitnehmeranteil zur Krankenversicherung, sammelt weiter Rentenpunkte und behält den Schutz bei Erwerbsminderung. Beide Modelle beschreiben wir ausführlich im Ratgeber zu Coast FIRE und Barista FIRE. In diesem Artikel geht es um den vollständigen Ausstieg.
Die Sparquote entscheidet über den Zeitpunkt
Die wichtigste Größe jedes FIRE-Plans ist die Sparquote, also der Anteil des Nettoeinkommens, den Sie nicht ausgeben, sondern anlegen. Wer 3.000 Euro netto verdient und 900 Euro in einen ETF-Sparplan steckt, hat eine Sparquote von 30 Prozent. Die Tilgung eines Immobilienkredits zählt mit, die Zinsen nicht.
Die Sparquote wirkt doppelt. Jeder Euro, den Sie mehr sparen, erhöht Ihr Vermögen und senkt zugleich Ihre Ausgaben, also den Betrag, den das Vermögen später ersetzen muss. Deshalb hängt die Zeit bis zur finanziellen Unabhängigkeit fast ausschließlich von der Sparquote ab und kaum von der Höhe des Einkommens. Die folgende Tabelle zeigt, wie viele Jahre es dauert, bis jemand ohne Startkapital das 25-Fache seiner jährlichen Ausgaben angespart hat:
| Sparquote | Jahre bei 3 % realer Rendite | Jahre bei 5 % realer Rendite |
|---|---|---|
| 10 % | 69 | 51 |
| 20 % | 47 | 36 |
| 30 % | 34 | 28 |
| 40 % | 25 | 21 |
| 50 % | 19 | 16 |
| 60 % | 14 | 12 |
| 70 % | 9 | 9 |
Die privaten Haushalte in Deutschland sparen nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund 10 Prozent ihres verfügbaren Einkommens. Mit dieser Sparquote wird man vor der Rente nicht finanziell unabhängig, selbst bei 5 Prozent realer Rendite nicht. Ab einer Sparquote von 40 Prozent sieht die Sache anders aus: Wer mit 30 beginnt, ist rechnerisch Mitte 50 am Ziel, bei 60 Prozent schon mit Mitte 40.
Bemerkenswert ist, wie wenig die Rendite daran ändert. Zwei Prozentpunkte mehr Rendite verkürzen den Weg bei 40 Prozent Sparquote um vier Jahre, zehn Prozentpunkte mehr Sparquote um gut sechs. Die Rendite können Sie kaum beeinflussen, die Sparquote schon. Wir rechnen in diesem Artikel mit 3 Prozent realer Rendite in der Sparphase, also nach Inflation, Kosten und Steuern. Für ein breit gestreutes Aktiendepot ist das vorsichtig, und genau so soll es sein.
Die FIRE-Zahl: Warum das 25-Fache in Deutschland nicht passt
Woher die 25 kommt
Die FIRE-Zahl, also das angestrebte Zielvermögen, ergibt sich aus der 4-Prozent-Regel: Wer im ersten Jahr 4 Prozent seines Vermögens entnimmt und den Betrag danach jährlich an die Inflation anpasst, wäre in den historischen Daten des US-Kapitalmarkts mindestens 30 Jahre lang ausgekommen. 4 Prozent sind ein Fünfundzwanzigstel, daher das 25-Fache. Die Regel wurde allerdings für einen Ruhestand von 30 Jahren entwickelt, mit amerikanischen Renditen und ohne Steuern. Wer mit 50 aufhört und bis 95 planen will, braucht sein Geld 45 Jahre lang. Bei 2 Prozent realer Rendite, mit der wir für die Zeit nach dem Ausstieg rechnen, trägt ein Vermögen über diesen Zeitraum nur eine Entnahme von gut 3,3 Prozent; dafür wäre das 30-Fache nötig. Mehr zu Herkunft und Grenzen der Regel lesen Sie in unserem Ratgeber zur 4-Prozent-Regel.
Für sehr frühe Aussteiger ist das 25-Fache also eher zu knapp. Gleichzeitig unterstellt die Formel, dass das Vermögen die Ausgaben bis zum Lebensende allein trägt. In Deutschland ist das falsch, denn ab der Regelaltersgrenze kommt die gesetzliche Rente hinzu, auch für Frühaussteiger. Beide Fehler gleichen sich teilweise aus. In welche Richtung das Ergebnis für Sie kippt, verrät die Faustregel aber nicht.
Die deutsche Rechnung in zwei Phasen
Wir rechnen deshalb, wie in unseren Ratgebern zum Kapitalbedarf im Ruhestand und zum Ausstieg mit 60, in zwei Phasen. In der ersten, vom Ausstieg bis zum Rentenbeginn, bezahlt das Vermögen alles: die Lebenshaltungskosten und die Kranken- und Pflegeversicherung, die Sie als freiwilliges Mitglied vollständig selbst tragen. In der zweiten Phase, ab dem Rentenbeginn, muss es nur noch die Lücke zwischen Ihren Ausgaben und der Nettorente schließen. Diese Rente fällt niedriger aus als bei Weiterarbeit bis 67, weil ab dem Ausstieg keine Beiträge mehr fließen.
Der Kapitalbedarf zum Ausstieg setzt sich damit aus drei Teilen zusammen: dem Geld für die Überbrückung bis zur Rente, dem Geld für die Lücke danach und einer Reserve für größere Einmalausgaben. Alle Beträge rechnen wir in heutiger Kaufkraft, mit 2 Prozent realer Rendite ab dem Ausstieg und mit einem Planungshorizont bis 95. Am Ende ist das Vermögen aufgebraucht. Wer nur von den Erträgen leben und das Kapital erhalten will, braucht bei 2 Prozent realer Rendite das 50-Fache der jährlichen Entnahme, also doppelt so viel.
Das Beispiel: Jana, 32, will finanziell unabhängig werden
Jana ist 32 Jahre alt, ledig, kinderlos und wohnt zur Miete. Sie arbeitet als Projektingenieurin und verdient 65.000 Euro brutto im Jahr, das sind rund 3.340 Euro netto im Monat. Davon gibt sie 2.000 Euro aus: 800 Euro Warmmiete, 350 Euro für Lebensmittel und Drogerie, je 200 Euro für Freizeit und Reisen, der Rest verteilt sich auf Strom und Internet, Mobilität, Versicherungen, Kleidung und Sonstiges. Die übrigen 1.340 Euro fließen in einen ETF-Sparplan, ihre Sparquote liegt also bei 40 Prozent. In ihrem Depot liegen bereits 40.000 Euro.
| Jana auf einen Blick | |
|---|---|
| Alter, Jahrgang | 32, Jahrgang 1994 |
| Einkommen | 65.000 € brutto im Jahr, rund 3.340 € netto im Monat |
| Ausgaben | 2.000 € im Monat (heute und im Ruhestand, ohne Krankenversicherung) |
| Sparrate | 1.340 € im Monat, Sparquote 40 % |
| Vermögen heute | 40.000 € in Aktien-ETFs |
| Rentenanspruch | 7,5 Entgeltpunkte, je Arbeitsjahr kommen 1,25 Punkte hinzu |
Ihr Budget soll im Ruhestand gleich bleiben. Das ist für FIRE-Pläne typisch und ehrlicher als die übliche Annahme, man brauche im Alter nur 80 Prozent des früheren Einkommens: Wer mit Anfang 50 aufhört, hat noch Jahrzehnte vor sich, in denen er reisen, umziehen und gelegentlich ein Auto kaufen will. Für Janas Gehalt nehmen wir an, dass es real konstant bleibt. Gehaltssprünge würden ihren Plan beschleunigen, wenn sie das zusätzliche Geld spart, statt es auszugeben.
Wann kann Jana aufhören?
Spart Jana weiter wie bisher und bringt ihr Depot real 3 Prozent im Jahr, wächst ihr Vermögen stetig. Gleichzeitig sinkt mit jedem Jahr, das sie länger arbeitet, ihr Kapitalbedarf: Die Überbrückung bis zur Rente wird kürzer, und ihre Rente fällt höher aus. Irgendwann kreuzen sich beide Linien.
| Ausstieg mit | Nettorente ab 67 | Vermögen beim Ausstieg | Kapitalbedarf | Differenz |
|---|---|---|---|---|
| 45 | 880 € | 313.300 € | 706.100 € | −392.800 € |
| 47 | 972 € | 365.500 € | 661.100 € | −295.600 € |
| 50 | 1.101 € | 449.800 € | 590.800 € | −141.000 € |
| 52 | 1.178 € | 510.200 € | 542.400 € | −32.100 € |
| 53 | 1.216 € | 541.800 € | 517.300 € | +24.500 € |
| 55 | 1.291 € | 607.900 € | 465.600 € | +142.300 € |
Rechnerisch ist Jana mit 52 Jahren und sieben Monaten finanziell unabhängig. Ihr Kapitalbedarf mit 53 setzt sich aus rund 337.600 Euro für die 14 Jahre bis zur Rente, 154.800 Euro für die Lücke von 784 Euro im Monat ab 67 und 25.000 Euro Reserve zusammen. Knapp zwei Drittel des Geldes braucht sie also für die Überbrückung. Danach trägt die gesetzliche Rente den größten Teil ihrer Ausgaben.
Die 25-fach-Regel hätte ihr 600.000 Euro als Ziel vorgegeben, erreicht mit 55. Wer die Krankenversicherung von 278 Euro im Monat in die Ausgaben einrechnet, kommt auf gut 683.000 Euro und muss bis 57 arbeiten. Die deutsche Rechnung bringt Jana also zwei bis vier Jahre früher ans Ziel, obwohl wir mit einer vorsichtigeren Rendite rechnen und die Krankenversicherung berücksichtigen.
Auffällig ist ein Wert, der FIRE-Anhängern Unbehagen bereiten dürfte: Im ersten Jahr nach dem Ausstieg entnimmt Jana gut 5 Prozent ihres Vermögens, mehr als die 4-Prozent-Regel erlaubt. Das funktioniert, weil die Entnahmen ab 67 auf ein Drittel sinken. Es macht ihren Plan aber verwundbar, denn ein Börseneinbruch in den ersten Jahren nach dem Ausstieg trifft ein Depot, aus dem gerade besonders viel abfließt. Mit 53 bleibt ihr nach Abzug des Kapitalbedarfs ein Puffer von 24.500 Euro, zusätzlich zur Reserve. Das ist wenig. Bringt das Vermögen nach dem Ausstieg real nur 1 statt 2 Prozent, fehlen ihr gut 43.000 Euro.
Unser Urteil: Mit 53 ist Janas Ausstieg möglich, aber knapp. Belastbar wird der Plan mit 55. Dann liegt ihr Puffer bei gut 140.000 Euro, und selbst wenn die Rendite nur 1 Prozent beträgt und ihre Rente ein Fünftel niedriger ausfällt als heute berechnet, bleiben noch knapp 29.000 Euro übrig. Wir würden ihr raten, mit 55 zu planen und mit 53 nachzurechnen, wie die Märkte bis dahin gelaufen sind.
Und der Traum vom Ausstieg mit 45? Dafür bräuchte Jana bei gleichen Ausgaben 706.000 Euro, mehr als doppelt so viel, wie sie bis dahin hätte. Sie müsste dafür 3.400 Euro im Monat sparen, mehr, als sie heute netto verdient.
Sparquote und Ausstiegsalter: Janas Spielraum
Wie stark Janas Ausstiegsalter von ihrer Sparquote abhängt, zeigt die nächste Tabelle. Ihr Nettoeinkommen bleibt jeweils gleich; was sie mehr spart, gibt sie weniger aus, und umgekehrt.
| Sparquote | Ausgaben im Monat | Sparrate im Monat | Ausstieg nach deutscher Rechnung | Ausstieg nach 25-fach-Regel |
|---|---|---|---|---|
| 20 % | 2.672 € | 668 € | mit 62 | mit 74 |
| 30 % | 2.338 € | 1.002 € | mit 57 | mit 63 |
| 40 % | 2.000 € | 1.340 € | mit 53 | mit 55 |
| 50 % | 1.670 € | 1.670 € | mit 49 | mit 49 |
| 60 % | 1.336 € | 2.004 € | mit 45 | mit 44 |
Zwei Dinge fallen auf. Zum einen bringen jeweils zehn Prozentpunkte mehr Sparquote Jana vier bis fünf Jahre früher ans Ziel. Steigert sie ihre Sparquote von 40 auf 50 Prozent, kann sie mit 49 statt mit 53 aufhören.
Zum anderen liegt die 25-fach-Regel je nach Ausstiegsalter in unterschiedliche Richtungen daneben. Für Ausstiege ab Anfang 50 ist sie zu streng, weil sie die gesetzliche Rente ignoriert. Mit 20 Prozent Sparquote würde sie Jana erst mit 74 in die Unabhängigkeit entlassen, sieben Jahre nach der Regelaltersgrenze. Für sehr frühe Ausstiege ist sie dagegen zu großzügig, weil die Überbrückung dann über 20 Jahre dauert und 4 Prozent Entnahme bei vorsichtiger Renditeannahme nicht tragen. Hinzu kommt, dass bei einem schlanken Budget die Krankenversicherung schwer ins Gewicht fällt: Bei 60 Prozent Sparquote lebt Jana von 1.336 Euro im Monat, und der Mindestbeitrag von 278 Euro entspricht gut einem Fünftel davon. Lean FIRE ist in Deutschland deshalb schwieriger, als es amerikanische Rechenbeispiele nahelegen.
Wie viel Geld braucht man, um mit 50, 55 oder 60 auszusteigen?
Diese Frage lässt sich nur mit zwei Angaben beantworten: Ihren monatlichen Ausgaben und der Nettorente, die Sie ab 67 mit den bis zum Ausstieg erworbenen Ansprüchen erwarten. Die folgende Tabelle zeigt den Kapitalbedarf beim Ausstieg für eine Nettorente von 1.200 Euro, einschließlich des Mindestbeitrags zur Krankenversicherung bis zur Rente und 25.000 Euro Reserve:
| Ausstieg mit | Budget 2.000 € | Budget 2.500 € | Budget 3.000 € |
|---|---|---|---|
| 50 | 572.000 € | 753.000 € | 933.000 € |
| 55 | 484.000 € | 652.000 € | 819.000 € |
| 60 | 387.000 € | 540.000 € | 693.000 € |
Wer mit 55 aussteigen will und 2.500 Euro im Monat braucht, sollte also rund 650.000 Euro besitzen: knapp 360.000 Euro für die zwölf Jahre bis zur Rente, gut 265.000 Euro für die Lücke von 1.300 Euro danach und die Reserve. Die 25-fach-Regel käme auf 750.000 Euro. Andere Ratgeber kommen für vergleichbare Beispiele auf über 700.000 Euro, weil sie für die Überbrückung keine Rendite ansetzen und die Lücke ab 67 so behandeln, als müsse sie ewig finanziert werden.
Erwarten Sie eine höhere Rente, sinkt der Bedarf spürbar. Bei 1.500 statt 1.200 Euro Nettorente brauchen Sie je nach Ausstiegsalter und Budget 55.000 bis 68.000 Euro weniger, für den Ausstieg mit 55 und 2.500 Euro Budget also rund 590.000 Euro. Ihre voraussichtliche Rente schätzen Sie am besten mit der Renteninformation: Nehmen Sie die bisher erreichte Rentenanwartschaft und rechnen Sie für jedes weitere Arbeitsjahr bis zum Ausstieg so viele Entgeltpunkte hinzu, wie Sie im Verhältnis zum Durchschnittsentgelt verdienen. Ein Punkt ist derzeit 42,52 Euro Bruttorente wert. Wie Sie von der Brutto- zur Nettorente kommen, erklärt unser Ratgeber Rentenlücke berechnen.
Was in Deutschland anders ist
Gesetzliche Rente: Der Ausstieg kostet Punkte, die Rente bleibt
Wer früh aufhört, verliert keine Rentenansprüche, er erwirbt nur keine neuen mehr. Für Jana ist der Unterschied trotzdem erheblich. Arbeitet sie bis 67, kommt sie auf 51,3 Entgeltpunkte und eine Bruttorente von 2.181 Euro, netto rund 1.712 Euro. Hört sie mit 53 auf, bleiben ihr 33,8 Punkte und 1.436 Euro brutto. Nach Kranken- und Pflegeversicherung und rund 34 Euro Einkommensteuer kommen 1.216 Euro an. Der Ausstieg kostet sie also 745 Euro Bruttorente im Monat, ein gutes Drittel. Trotzdem deckt die verbleibende Rente gut 60 Prozent ihres Budgets. Wer sie in seiner FIRE-Rechnung weglässt, rechnet sich ärmer, als er ist.
Ausgezahlt wird die Rente ab der Regelaltersgrenze, für alle ab Jahrgang 1964 also mit 67; dafür genügen fünf Versicherungsjahre. Früher geht es nur mit der Altersrente für langjährig Versicherte, die 35 Versicherungsjahre voraussetzt und ab 63 mit einem Abschlag von 14,4 Prozent beginnt. Schul- und Studienzeiten ab 17 zählen bis zu acht Jahre mit, sodass Jana die 35 Jahre knapp erreichen könnte. Ihren Ausstieg würde das allerdings nur um wenige Monate vorziehen, weil der Abschlag ein Leben lang bleibt. Wie sich Abschläge im Einzelnen auswirken, zeigen wir im Ratgeber zum Ausstieg mit 60.
Wie hoch die Rente in 35 Jahren tatsächlich ausfällt, weiß niemand. Unsere Rechnung unterstellt, dass sie ihre Kaufkraft hält. Das Rentenniveau ist per Gesetz bis 2031 bei 48 Prozent abgesichert, danach ist es offen. Die Alterssicherungskommission der Bundesregierung hat im Juni 2026 außerdem empfohlen, die Regelaltersgrenze zwischen 2031 und 2041 schrittweise auf 67,5 Jahre anzuheben; beschlossen ist das nicht. Für FIRE-Pläne sind diese Unsicherheiten weniger dramatisch, als sie klingen. Fiele Janas Rente um ein Fünftel niedriger aus, müsste sie neun Monate länger arbeiten. Begänne sie ein Jahr später, wären es drei Monate. Die Rente sollte deshalb vorsichtig in die Rechnung eingehen, aber sie gehört hinein.
Krankenversicherung: der Posten, den die Formel vergisst
Solange Sie angestellt sind, zahlt Ihr Arbeitgeber die Hälfte der Krankenversicherung, und Ihren Anteil zieht er vom Bruttolohn ab. In Ihren monatlichen Ausgaben taucht der Beitrag deshalb gar nicht auf. Nach dem Ausstieg sind Sie freiwilliges Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung und tragen den vollen Beitrag selbst. Er bemisst sich an allen Einnahmen, die Ihrem Lebensunterhalt dienen, auch an Zinsen, Dividenden und realisierten Kursgewinnen; der Teil Ihrer Entnahmen, der nur zurückgezahltes Kapital ist, bleibt beitragsfrei. Wer wenig beitragspflichtige Einnahmen hat, zahlt den Mindestbeitrag. Er beträgt 2026 mit durchschnittlichem Zusatzbeitrag 278 Euro im Monat für Kinderlose und 270 Euro für Eltern. Jana zahlt bis 67 auf diese Weise rund 46.700 Euro, die in keiner 25-fach-Rechnung vorkommen.
Für jeden Euro beitragspflichtiger Einnahmen oberhalb von rund 15.800 Euro im Jahr kommen etwa 21 Cent hinzu. Wer ein großes Depot hat und jedes Jahr hohe Kursgewinne realisiert, zahlt deshalb mehr als den Mindestbeitrag. Ab dem Rentenbeginn wird es wieder günstiger: Wer in der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens zu mindestens 90 Prozent gesetzlich versichert war, kommt in die Krankenversicherung der Rentner und zahlt dann nur noch auf Renten Beiträge, nicht mehr auf Kapitalerträge. Die freiwillige Mitgliedschaft zählt dabei mit. Das ist ein gewichtiger Grund, als Frühaussteiger in der gesetzlichen Kasse zu bleiben. Die private Krankenversicherung mag mit Mitte 30 verlockend günstig wirken, ihre Beiträge steigen aber mit dem Alter, und nach dem 55. Geburtstag ist der Rückweg in die gesetzliche Kasse praktisch versperrt. Für die meisten Frühaussteiger halten wir die freiwillige gesetzliche Versicherung für die bessere Wahl. Ausführlich behandeln wir das Thema im Ratgeber zur Krankenversicherung als Privatier.
Steuern: oft weniger, als befürchtet
Auf Kursgewinne, Zinsen und Dividenden behält die Bank Abgeltungsteuer ein, mit Solidaritätszuschlag 26,375 Prozent. Steuerpflichtig ist beim Verkauf von ETF-Anteilen aber nur der Gewinnanteil, nicht das eingezahlte Kapital. Bei Aktien-ETFs bleiben davon außerdem 30 Prozent steuerfrei (Teilfreistellung), und der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro im Jahr ist ebenfalls frei.
Entscheidend für Frühaussteiger ist die Günstigerprüfung. Wer kein Gehalt mehr bezieht, kann in der Steuererklärung beantragen, dass seine Kapitalerträge mit dem persönlichen Steuersatz statt mit der Abgeltungsteuer besteuert werden. Liegt das Einkommen dann unter dem Grundfreibetrag von 12.348 Euro, fällt gar keine Steuer an. Für Alleinstehende ohne weitere Einkünfte bedeutet das: Gut 19.000 Euro realisierte Kursgewinne aus Aktien-ETFs bleiben im Jahr steuerfrei, mit den abziehbaren Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung sogar etwas mehr. Die einbehaltene Abgeltungsteuer erstattet das Finanzamt nach der Steuererklärung. Bequemer ist eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung, mit der die Bank gar nichts einbehält. Jana dürfte in den Jahren bis zur Rente deshalb kaum Steuern zahlen; wir haben in der Rechnung keine angesetzt.
Daraus folgt eine Empfehlung, die vielen Anlegern fremd ist: Realisieren Sie Kursgewinne vor allem in den Jahren zwischen Ausstieg und Rente. Ab 67 schöpft die gesetzliche Rente den Grundfreibetrag meist schon aus, dann wird jeder Gewinn wieder besteuert. Dabei sollten Sie allerdings den Krankenkassenbeitrag im Blick behalten, denn realisierte Gewinne können ihn über den Mindestbeitrag heben.
Absicherung: Was mit dem Job wegfällt
Mit dem Arbeitsvertrag enden einige Schutzmechanismen, die man als Angestellter kaum wahrnimmt. Krankengeld gibt es für freiwillig Versicherte ohne Erwerbseinkommen nicht. Der Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente setzt voraus, dass in den fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung mindestens drei Jahre Pflichtbeiträge gezahlt wurden; er erlischt also etwa zwei Jahre nach dem letzten Arbeitstag, und freiwillige Beiträge ändern daran nichts.
Für jemanden, der finanziell unabhängig ist, wiegt das weniger schwer, als es klingt: Sein Depot ist die Absicherung, und die Altersrente ab 67 bleibt ihm in jedem Fall. Gefährlich ist dagegen die Zeit davor. Solange Jana noch spart, ist ihre Arbeitskraft ihr wertvollster Vermögensgegenstand, und eine schwere Erkrankung mit 40 würde ihren Plan zunichtemachen. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung, die bis zum geplanten Ausstieg läuft, halten wir deshalb für einen festen Bestandteil jedes FIRE-Plans. Nach dem Ausstieg gehört ein Teil des Vermögens auf das Tagesgeldkonto: die Reserve für größere Ausgaben und die Entnahmen für ein bis zwei Jahre, damit Sie in einem schwachen Börsenjahr nicht verkaufen müssen. Bleibt das Risiko der Pflegebedürftigkeit, das die gesetzliche Pflegeversicherung nur teilweise abdeckt. Was ein Heimplatz heute kostet, haben wir im Ratgeber zum Kapitalbedarf beschrieben.
Stresstest: Wie robust ist Janas Plan?
Jede Zahl in Janas Rechnung beruht auf Annahmen. Um zu sehen, welche davon wirklich zählen, haben wir einzelne Annahmen verändert und jeweils ermittelt, wann sie frühestens aufhören könnte:
| Szenario | Frühester Ausstieg | Verschiebung |
|---|---|---|
| Basisrechnung | 52 Jahre, 7 Monate | – |
| Rendite nach dem Ausstieg 1 % statt 2 % | 53 Jahre, 9 Monate | +14 Monate |
| Rendite nach dem Ausstieg 3 % statt 2 % | 51 Jahre, 6 Monate | −13 Monate |
| Rendite in der Sparphase 2 % statt 3 % | 53 Jahre, 9 Monate | +14 Monate |
| Gesetzliche Rente 20 % niedriger | 53 Jahre, 4 Monate | +9 Monate |
| Rentenbeginn mit 68 statt 67 | 52 Jahre, 10 Monate | +3 Monate |
| Krankenversicherung 100 € teurer | 52 Jahre, 11 Monate | +4 Monate |
| Reserve 50.000 € statt 25.000 € | 53 Jahre, 1 Monat | +6 Monate |
| Ausgaben 200 € höher, Sparrate 200 € niedriger | 55 Jahre, 1 Monat | +30 Monate |
| Ausgaben 200 € niedriger, Sparrate 200 € höher | 50 Jahre, 3 Monate | −28 Monate |
| 1 % Rendite, Rente 20 % niedriger, Rentenbeginn 68 | 54 Jahre, 10 Monate | +27 Monate |
Das Ergebnis ist eindeutig. Kein anderer Faktor bewegt Janas Ausstiegsalter so stark wie ihre Ausgaben. 200 Euro im Monat machen zweieinhalb Jahre aus, mehr als ein Prozentpunkt Rendite und weit mehr als eine Rentenkürzung um ein Fünftel. Über die Rendite und die Rentenpolitik entscheidet Jana nicht, über ihre Ausgaben schon. Selbst wenn mehrere Annahmen gleichzeitig ungünstig ausfallen, verschiebt sich ihr Ausstieg um gut zwei Jahre, also ziemlich genau auf die 55, die wir ihr ohnehin empfohlen haben.
Eine Schwäche hat dieser Stresstest allerdings: Er rechnet mit gleichmäßigen Renditen. An der Börse folgen auf gute Jahre schlechte, und für Frühaussteiger zählt besonders, wann sie kommen. Fällt ein Crash in die ersten Jahre nach dem Ausstieg, während Jana gut 5 Prozent im Jahr entnimmt, schrumpft ihr Depot schneller, als es sich später erholen kann. Warum das so ist, erklären wir im Beitrag zum Renditereihenfolgerisiko. Der wirksamste Schutz ist Flexibilität: Wer bereit ist, in schwachen Börsenjahren vorübergehend weniger zu entnehmen oder ein paar Monate dazuzuverdienen, macht einen knappen Plan deutlich robuster. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt unser Ratgeber zum ETF-Entnahmeplan.
In fünf Schritten zum eigenen FIRE-Plan
- Ausgaben ehrlich erfassen. Schreiben Sie mindestens drei Monate lang alle Ausgaben auf und rechnen Sie unregelmäßige Posten wie Versicherungen, Reparaturen, Urlaube und Anschaffungen auf den Monat um. Diese Zahl ist die Grundlage für alles Weitere, und sie ist fast immer höher als die erste Schätzung.
- Sparquote bestimmen und gezielt erhöhen. Den größten Hebel haben die großen Posten: Miete, Auto, Versicherungen. Eine kleinere Wohnung oder der Verzicht auf das Zweitauto bringt mehr als hundert gesparte Kaffees. Ebenso wirksam ist es, Gehaltserhöhungen vollständig zu sparen.
- Breit gestreut und günstig anlegen. Für eine Sparphase von 15 bis 25 Jahren eignet sich ein weltweit gestreutes Aktienportfolio aus kostengünstigen ETFs. Rechnen Sie mit höchstens 3 Prozent realer Rendite, nicht mit den 7 Prozent, die in manchen Rechnern voreingestellt sind.
- Die FIRE-Zahl in zwei Phasen rechnen. Überbrückung bis zur Rente einschließlich Krankenversicherung, danach die Lücke zur Nettorente, dazu eine Reserve. Setzen Sie die Rente auf Basis der bis zum Ausstieg erreichten Punkte und lieber etwas zu niedrig an.
- Den Ausstieg vorbereiten. Klären Sie mit Ihrer Krankenkasse den Beitrag als freiwilliges Mitglied, beantragen Sie eine Kontenklärung bei der Rentenversicherung, legen Sie ein bis zwei Jahresbudgets auf das Tagesgeldkonto und beantragen Sie eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung. Wer unsicher ist, ob ihm das Leben ohne Arbeit gefällt, testet es vorher mit einem Sabbatjahr.
Ihren FIRE-Plan im Ruhestandsrechner durchspielen
Unsere Rechnungen unterstellen gleichmäßige Renditen und zeigen deshalb nur, ob ein Plan im Durchschnitt aufgeht. Im Ruhestandsrechner können Sie Ihren Ausstieg mit vielen simulierten Marktverläufen durchspielen. Tragen Sie als Ruhestandsbeginn Ihr geplantes Ausstiegsalter ein, als Rentenbeginn 67 und als Rente den Betrag, der sich aus Ihren bis zum Ausstieg erworbenen Punkten ergibt. Variieren Sie anschließend das Ausstiegsalter und beobachten Sie, wie sich Reichweite und Erfolgsquote verändern. Was eine solche Erfolgsquote aussagt, erklären wir im Beitrag zur Monte-Carlo-Simulation. Außerdem können Sie vergleichen, wie sich feste Ausgaben und flexible Anpassungen in schwachen Marktphasen auswirken.
Eine Grenze sollten Sie kennen: Die Beiträge zur freiwilligen Krankenversicherung berechnet der Rechner nicht automatisch, auch nicht die Beiträge auf Kapitalerträge. Tragen Sie sie für die Jahre bis zur Rente als zusätzliche Ausgabe ein, mindestens mit dem Mindestbeitrag von rund 270 bis 280 Euro.
Häufige Fragen
Wie viel Geld braucht man für FIRE?
Das hängt vor allem von Ihren Ausgaben und vom Ausstiegsalter ab. Die 25-fach-Regel ergibt bei 2.000 Euro Ausgaben im Monat 600.000 Euro. Nach unserer Rechnung mit gesetzlicher Rente und Krankenversicherung braucht jemand mit 2.000 Euro Budget und 1.200 Euro Nettorente ab 67 für einen Ausstieg mit 55 rund 484.000 Euro, mit 50 rund 572.000 Euro. Bei sehr frühem Ausstieg, etwa mit Mitte 40, liegt der Bedarf dagegen über dem 25-Fachen.
Ist es realistisch, mit 40 nicht mehr arbeiten zu müssen?
Für die meisten Menschen nicht. Jana müsste dafür gut drei Viertel ihres Nettoeinkommens sparen und von rund 800 Euro im Monat leben, was in einer deutschen Stadt kaum möglich ist. Realistisch wird ein Ausstieg mit 40 erst mit einem deutlich höheren Einkommen, etwa bei Paaren ohne Kinder, die beide gut verdienen, oder mit einem Erbe. Für alle anderen sind Coast FIRE oder Barista FIRE die erreichbareren Ziele.
Was ist der Unterschied zwischen finanzieller Freiheit und finanzieller Unabhängigkeit?
In der FIRE-Bewegung werden beide Begriffe meist gleichbedeutend verwendet: Ihr Vermögen deckt Ihre Ausgaben, und Sie müssen nicht mehr arbeiten. Manche Ratgeber verstehen unter finanzieller Freiheit einen höheren Lebensstandard als unter finanzieller Unabhängigkeit. Eine verbindliche Abgrenzung gibt es nicht, entscheidend ist das Budget, das Sie Ihrer Rechnung zugrunde legen.
Wie viel Vermögen braucht man für 1.000 Euro im Monat ohne Arbeit?
Sollen 1.000 Euro im Monat von 50 bis 95 fließen und das Vermögen am Ende aufgebraucht sein, brauchen Sie bei 2 Prozent realer Rendite rund 361.000 Euro. Wollen Sie nur von den Erträgen leben und das Kapital erhalten, sind es 600.000 Euro. Kommt ab 67 eine gesetzliche Rente hinzu, sinkt der Bedarf entsprechend.
Bekomme ich als Frühaussteiger später eine gesetzliche Rente?
Ja, sofern Sie mindestens fünf Jahre Beiträge gezahlt haben. Die Rente beginnt mit der Regelaltersgrenze und beruht auf den Entgeltpunkten, die Sie bis zum Ausstieg gesammelt haben. Welcher Betrag das ist, steht in Ihrer Renteninformation unter der bisher erreichten Rentenanwartschaft; die dort ebenfalls genannte Hochrechnung gilt nur, wenn Sie bis 67 weiterarbeiten.
Unser Fazit
FIRE ist in Deutschland machbarer, als die amerikanische Faustregel vermuten lässt, zumindest für alle, die mit Anfang 50 statt mit Anfang 40 aufhören wollen. Der Grund ist die gesetzliche Rente. Sie fällt für Frühaussteiger zwar deutlich niedriger aus, deckt bei Jana aber immer noch 60 Prozent der späteren Ausgaben und verkürzt ihren Weg zur Unabhängigkeit um zwei bis vier Jahre. Wer sie aus seiner Rechnung streicht, arbeitet unter Umständen Jahre länger als nötig. Wer umgekehrt die Krankenversicherung vergisst, hört womöglich zu früh auf.
Die 25-fach-Regel halten wir deshalb für einen brauchbaren ersten Anhaltspunkt, aber nicht für eine Planungsgrundlage. Rechnen Sie in zwei Phasen: Überbrückung bis zur Rente mit vollen Kosten einschließlich Krankenversicherung, danach nur noch die Lücke zur Nettorente. Planen Sie einen Puffer ein, der auch schwache Börsenjahre übersteht, und sorgen Sie dafür, dass ein Teil des Geldes beim Ausstieg jederzeit verfügbar ist.
Den größten Einfluss auf Ihren Ausstiegstermin haben Sie selbst, und zwar über Ihre Ausgaben. Bei Jana bringt jeder dauerhaft eingesparte Hunderter im Monat den Ausstieg gut ein Jahr näher. Ein guter Anfang ist deshalb nicht die Suche nach dem renditestärksten ETF, sondern ein ehrlicher Blick auf das eigene Budget, gefolgt von einer Rechnung mit Ihren eigenen Zahlen.
Stand: Oktober 2026. Rechenannahmen: Beträge in heutiger Kaufkraft; gesetzliche Rente und Gehalt halten ihre Kaufkraft; Rentenwert 42,52 Euro, Durchschnittsentgelt 2026 (vorläufig) 51.944 Euro; Regelaltersgrenze 67; Rendite real nach Kosten und Steuern 3 Prozent in der Sparphase (monatliche Sparrate) und 2 Prozent ab dem Ausstieg; Entnahme zu Jahresbeginn bis zum Alter von 95; Reserve 25.000 Euro; freiwillige Krankenversicherung bis zur Rente zum Mindestbeitrag 2026 mit durchschnittlichem Zusatzbeitrag (kinderlos 278,17 Euro); ab Rentenbeginn Kranken- und Pflegeversicherung der Rentner 12,95 Prozent (kinderlos) und Einkommensteuer auf die Rente nach Tarif 2026 mit vollem Besteuerungsanteil, ohne Kirchensteuer; Kapitalerträge bis zur Rente durch Günstigerprüfung steuerfrei. Die Jahre bis zum 25-Fachen der Ausgaben gelten für einen Start ohne Vermögen und eine Sparrate, die mit dem Einkommen real konstant bleibt. Quellen: Statistisches Bundesamt (Sparquote 1. Halbjahr 2025), Deutsche Rentenversicherung (Altersrenten, Rentenwert 2026), Deutscher Bundestag (Rentenpaket 2025), Bundesregierung (Bericht der Alterssicherungskommission, Juni 2026), Sozialgesetzbuch V und VI, Beitragsübersichten der Krankenkassen für freiwillig Versicherte 2026, Einkommensteuergesetz (§ 20, § 32a, § 32d EStG), Investmentsteuergesetz (§ 20 InvStG).