ETF-Entnahmeplan im Ruhestand: Feste oder flexible Auszahlungen?
Ein ETF-Entnahmeplan legt fest, wie viel Geld Sie im Ruhestand in welchen Abständen aus Ihrem Depot entnehmen. Dafür werden regelmäßig Fondsanteile verkauft, der Rest bleibt investiert und arbeitet weiter – im Grunde ein Sparplan in umgekehrter Richtung.
Die eigentliche Entscheidung beginnt danach: Zahlen Sie sich Jahr für Jahr denselben Betrag aus, oder passen Sie die Auszahlung an, wenn die Börse schwächelt? Feste Beträge sind bequem und planbar, machen das Depot aber verwundbar, wenn die ersten Ruhestandsjahre schlecht laufen. Rein flexible Regeln schützen das Depot und wälzen das Risiko dafür vollständig auf Ihren Lebensstandard ab. Unsere Empfehlung liegt dazwischen, und sie hat viel mit der gesetzlichen Rente zu tun: Den Grundbedarf sollten Sie fest einplanen, die Wunschausgaben flexibel. Wie viel das ausmacht, zeigt das Beispiel eines Ehepaars mit 450.000 Euro im Depot. Mit festen Auszahlungen ist sein Geld nach einem schlechten Börsenstart mit 90 aufgebraucht. Mit einer einfachen Anpassungsregel hätte es 15 Jahre lang 285 Euro im Monat weniger entnommen – und das Geld hätte bis 95 gereicht.
Wie funktioniert ein ETF-Entnahmeplan?
Während der Ansparphase kaufen Sie mit einem Sparplan regelmäßig Anteile. Im Ruhestand kehrt sich die Richtung um: Sie verkaufen in festen Abständen so viele Anteile, wie Sie für die gewünschte Auszahlung brauchen. Manche Banken und Broker automatisieren das; die Funktion heißt dann Entnahmeplan, Auszahlplan oder Verkaufsplan. Sie können die Verkäufe aber genauso gut selbst auslösen, etwa einmal im Jahr, und das Geld anschließend per Dauerauftrag vom Tagesgeld- auf das Girokonto überweisen. Wir halten die zweite Variante für die bessere; warum, erklären wir weiter unten.
Für die Rechnung spielt es keine Rolle, ob das Geld aus Verkäufen oder aus Ausschüttungen stammt. Schüttet ein ETF Dividenden aus, sinkt sein Kurs um denselben Betrag, wirtschaftlich ist auch das eine Entnahme aus dem Depot. Entscheidend ist, wie viel Sie insgesamt herausnehmen, gemessen am Vermögen. Bezieht man diese Summe auf das Startvermögen, spricht man von der Entnahmerate, bezieht man sie auf den jeweils aktuellen Depotwert, von der Entnahmequote. Die bekannteste Faustregel für die Entnahmerate erklären wir ausführlich im Ratgeber zur 4-Prozent-Regel.
Zwei Entscheidungen, die oft verwechselt werden
Viele Ratgeber unterscheiden Entnahmepläne nur danach, ob das Kapital verbraucht wird oder erhalten bleiben soll, und ordnen dem einen Typ automatisch feste, dem anderen variable Beträge zu. Das greift zu kurz. Ob Sie Ihr Vermögen bis zum Lebensende aufbrauchen wollen und ob die Auszahlung fest oder flexibel sein soll, sind zwei getrennte Fragen, und jede Kombination ist möglich:
| Fester Betrag | Flexibler Betrag | |
|---|---|---|
| Mit Kapitalverzehr | Klassischer Auszahlplan mit Laufzeit, 4-Prozent-Regel. Planbares Einkommen; das Risiko liegt darin, dass das Geld zu früh aufgebraucht ist. | Restlaufzeit-Methode, Leitplanken-Regeln. Das Vermögen wird genutzt, das Einkommen schwankt in Grenzen. |
| Ohne Kapitalverzehr | Entnahme in Höhe der erwarteten realen Rendite. Sehr niedriges Einkommen; das Kapital bleibt nur im Durchschnitt erhalten. | Feste Quote vom aktuellen Depotwert, Leben von Ausschüttungen. Das Depot wird nie leer, das Einkommen schwankt voll mit. |
Für die meisten Ruheständler ist die obere Zeile die richtige, denn sie haben ihr Vermögen angespart, um es im Alter auszugeben. Die spannendere Frage ist die nach den Spalten. Vorher lohnt aber ein genauerer Blick darauf, was der Kapitalverzehr bringt.
Mit oder ohne Kapitalverzehr?
Die folgende Tabelle zeigt, wie viel ein Vermögen von 100.000 Euro über verschiedene Zeiträume im Monat trägt, wenn die Auszahlung jedes Jahr an die Inflation angepasst wird. Die Renditen sind real, also nach Abzug der Inflation. Wie in unseren anderen Ratgebern rechnen wir mit Beträgen in heutiger Kaufkraft und einer Entnahme jeweils zu Jahresbeginn.
| Laufzeit | 0 % reale Rendite | 1 % | 2 % | 3 % |
|---|---|---|---|---|
| 20 Jahre | 417 € | 457 € | 500 € | 544 € |
| 25 Jahre | 333 € | 375 € | 418 € | 465 € |
| 30 Jahre | 278 € | 320 € | 365 € | 413 € |
| 35 Jahre | 238 € | 281 € | 327 € | 377 € |
| unbegrenzt (ohne Kapitalverzehr) | – | 83 € | 163 € | 243 € |
Monatliche, inflationsangepasste Entnahme je 100.000 Euro Vermögen.
Bei 2 Prozent realer Rendite, unserer Standardannahme für ein gemischtes ETF-Depot nach Kosten und Steuern, trägt ein Vermögen von 100.000 Euro über 30 Jahre 365 Euro im Monat. Soll das Kapital dagegen real erhalten bleiben, sind es nur 163 Euro. Der Kapitalverzehr bringt also das 2,2-Fache. Für Ihr eigenes Depot multiplizieren Sie die Werte mit Ihrem Vermögen in Hunderttausend Euro. Wer mit 67 rund 300.000 Euro besitzt und bis 95 plant, also 28 Jahre, kann bei 2 Prozent realer Rendite mit etwa 1.150 Euro im Monat rechnen.
Dass Entnahmepläne ohne Kapitalverzehr trotzdem so beliebt sind, liegt auch an einer Rechnung, die sich in vielen Ratgebern findet. Ein großes Bankmagazin rechnet beispielsweise vor, dass sich aus 100.000 Euro bei 3 Prozent Rendite dauerhaft 246,63 Euro im Monat entnehmen lassen, ohne das Kapital anzutasten. Das stimmt, allerdings nur in nominalen Euro. Bei 2 Prozent Inflation hat die Zahlung nach zehn Jahren noch die Kaufkraft von 202 Euro, nach 25 Jahren von 150 Euro, und vom Kapital sind real gut 61.000 Euro übrig. Wer die Kaufkraft seines Vermögens wirklich erhalten will, darf bei 3 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation nur knapp 1 Prozent entnehmen, das wären 82 Euro im Monat.
Ein Entnahmeplan ohne Kapitalverzehr ist deshalb vor allem etwas für Anleger, deren Vermögen weit größer ist als ihr Bedarf, oder für alle, die bewusst vererben wollen. Wer mit seinem Depot eine Rentenlücke schließen muss, verschenkt damit mehr als die Hälfte des möglichen Einkommens. Schneller als mit der Tabelle geht es mit dem Ruhestandsrechner, der Ihre Rente und Ihren Planungshorizont gleich mit berücksichtigt.
Fest heißt nicht gleich fest: nominal oder inflationsangepasst
Auch der Begriff „feste Auszahlung“ wird unterschiedlich verwendet. Viele Online-Rechner und die klassischen Auszahlpläne von Banken zahlen einen nominal gleichbleibenden Betrag aus, also jeden Monat dieselbe Euro-Summe, bis das Geld verbraucht ist. Die 4-Prozent-Regel und unsere Rechnungen meinen dagegen einen Betrag, der jedes Jahr mit der Inflation steigt und dadurch seine Kaufkraft behält.
Der Unterschied ist erheblich. Ein Vermögen von 300.000 Euro reicht bei 4 Prozent nominaler Rendite, also 2 Prozent über einer Inflation von 2 Prozent, über 28 Jahre entweder für einen nominal festen Betrag von 1.449 Euro im Monat oder für einen inflationsangepassten von anfangs 1.152 Euro. Die erste Variante wirkt großzügiger, verliert aber Jahr für Jahr an Wert:
| Auszahlungsjahr | nominal fester Betrag, Kaufkraft in heutigen Euro | inflationsangepasster Betrag |
|---|---|---|
| 1. Jahr | 1.449 € | 1.152 € |
| 11. Jahr | 1.188 € | 1.152 € |
| 21. Jahr | 975 € | 1.152 € |
| 28. Jahr | 849 € | 1.152 € |
Über die gesamte Laufzeit summiert sich die Kaufkraft beider Varianten auf ähnliche Beträge, 377.000 gegenüber 387.000 Euro. Der nominal feste Plan verschiebt Kaufkraft also nach vorn. Das kann sogar gewollt sein, denn viele Haushalte geben in den ersten Ruhestandsjahren mehr für Reisen und Freizeit aus als mit über 80. Dafür steigen im hohen Alter oft die Ausgaben für Gesundheit und Pflege. Für den Grundbedarf – Wohnen, Lebensmittel, Versicherungen – empfehlen wir deshalb eine inflationsangepasste Planung. Wenn Sie einen Online-Rechner nutzen, prüfen Sie, welche Variante er rechnet. Fragt er nicht nach der Inflation, ist es fast immer die nominale.
Feste Auszahlungen: planbar, aber anfällig für einen schlechten Start
Der Reiz fester Auszahlungen liegt auf der Hand. Sie wissen, mit welchem Betrag Sie rechnen können, und müssen sich um den Börsenverlauf nicht kümmern. Den Preis dafür zahlt das Depot. Weil die Auszahlung unabhängig vom Depotwert gleich bleibt, verkaufen Sie nach Kursverlusten mehr Anteile, um denselben Betrag zu erhalten, und genau diese Anteile fehlen Ihnen bei der Erholung. Fällt ein solcher Einbruch in die ersten Jahre des Ruhestands, wirkt er besonders stark, weil dann noch viele Jahre mit Entnahmen vor Ihnen liegen. Dieses Renditereihenfolgerisiko ist das zentrale Argument für flexible Auszahlungen.
Das Beispiel: Ehepaar Hoffmann
Brigitte und Werner Hoffmann gehen beide mit 67 in Rente. Sie geben zusammen 3.900 Euro im Monat aus. Davon entfallen 3.000 Euro auf den Grundbedarf, also Wohnen, Lebensmittel, Versicherungen, Auto und Gesundheit. Die übrigen 900 Euro sind Wunschausgaben, vor allem Reisen, Restaurantbesuche und Geschenke für die Enkel. Ihre gemeinsame Nettorente beträgt 2.400 Euro, es fehlen also 1.500 Euro im Monat oder 18.000 Euro im Jahr. In ihrem Depot liegen 450.000 Euro, überwiegend in einem weltweit gestreuten Aktien-ETF, dazu Anleihen und Tagesgeld. Ihre Entnahmerate beträgt damit genau 4 Prozent.
Der Plan ist solide. Bei 2 Prozent realer Rendite könnten die Hoffmanns bis 95 sogar 1.728 Euro im Monat entnehmen; sie starten also mit gut 13 Prozent Abstand zur tragbaren Entnahme. Bleibt die Rendite gleichmäßig, liegen mit 95 noch gut 103.000 Euro im Depot, genug für weitere sechs Jahre.
Gleichmäßig verläuft allerdings kein Ruhestand. Wir haben deshalb zwei Stresstests durchgerechnet, beide real, also nach Inflation:
- Schwacher Start: Das Depot verliert im ersten Jahr 25 Prozent und im zweiten 10 Prozent, danach erzielt es 3,7 Prozent pro Jahr. Über die 28 Jahre bis 95 ergibt das im Durchschnitt exakt dieselben 2 Prozent wie im gleichmäßigen Verlauf.
- Crash ohne Erholung: dieselben beiden Verlustjahre, danach nur noch 2 Prozent pro Jahr. Im Durchschnitt der 28 Jahre sind das 0,4 Prozent.
Beides sind keine Prognosen, sondern Belastungsproben. Ein realer Verlust von einem Viertel in einem einzigen Jahr ist für ein gemischtes Depot ein harter, aber kein unrealistischer Fall.
Was bei einem schwachen Start passiert
Mit festen Auszahlungen entnehmen die Hoffmanns im ersten Jahr 18.000 Euro, danach fällt ihr Depot auf 324.000 Euro und ein Jahr später auf 275.400 Euro. Die Entnahme bleibt unverändert, die Entnahmequote steigt dadurch von 4,0 auf 6,5 Prozent, mit 75 liegt sie bei 8,2 Prozent. Die guten Jahre danach kommen zu spät: Mit 90 ist das Depot aufgebraucht, ohne die Erholung schon mit 87. Danach bleibt den Hoffmanns nur die Rente von 2.400 Euro, 600 Euro weniger, als sie für den Grundbedarf brauchen.
Der erste Fall verdient einen zweiten Blick. Die Durchschnittsrendite ist dieselbe wie im gleichmäßigen Verlauf, in dem das Geld bis über 100 reichen würde, und trotzdem ist es mehr als zehn Jahre früher weg. Feste Auszahlungen sind deshalb nur dann gut abgesichert, wenn die Entnahme deutlich unter der rechnerisch tragbaren liegt. Das Analysehaus Morningstar beziffert die sichere Startentnahme für feste, inflationsangepasste Auszahlungen über 30 Jahre derzeit auf 3,9 Prozent, für 35 Jahre auf 3,5 Prozent. Beide Werte gelten für amerikanische Anleger, deren Depot alle Ausgaben trägt. Welche Rate für einen Ruhestand in Deutschland passt, behandeln wir im Ratgeber zur 4-Prozent-Regel.
Flexible Auszahlungen: vier Regeln im Vergleich
Flexible Regeln setzen genau hier an. Sie senken die Entnahme, wenn das Depot schwächelt, und erlauben mehr, wenn es gut läuft. Morningstar kommt für solche Methoden auf deutlich höhere Startentnahmen, für Leitplanken-Regeln auf rund 5,2 Prozent, für einige Varianten auf bis zu 5,7 Prozent. Erkauft wird das mit einem Einkommen, das schwankt. Wie stark, hängt von der Regel ab. Wir haben die bekanntesten Ansätze mit den Zahlen der Hoffmanns durchgerechnet.
Feste Entnahmequote
Die einfachste flexible Regel lautet: Entnehmen Sie jedes Jahr denselben Prozentsatz des aktuellen Depotwerts, zum Beispiel 4 Prozent. Steigt das Depot, steigt die Auszahlung, fällt es, sinkt sie, und leer werden kann das Depot dadurch nie. Für eine Rentenlücke, die bis zum Lebensende bleibt, halten wir diese Regel trotzdem für ungeeignet. Zum einen schwankt das Einkommen voll mit der Börse: Nach dem schwachen Start erhalten die Hoffmanns aus dem Depot statt 1.500 Euro nur noch 929 Euro im Monat. Zum anderen sinkt die Entnahme selbst bei gleichmäßiger Rendite stetig, weil 4 Prozent mehr sind, als das Depot real erwirtschaftet – auf 1.141 Euro mit 80 und 850 Euro mit 94. Mit 95 liegen dann knapp 250.000 Euro im Depot, die das Paar nie ausgegeben hat. Sinnvoll ist die feste Quote für Anleger, deren Ausgaben bereits durch die Rente gedeckt sind und die ihr Vermögen erhalten oder vererben wollen.
Leitplanken nach Guyton und Klinger
Die amerikanischen Finanzplaner Jonathan Guyton und William Klinger haben 2006 ein Regelwerk veröffentlicht, das hierzulande meist als Leitplanken-Strategie bekannt ist. Sie beginnen mit einer festen Startentnahme und passen sie jedes Jahr an die Inflation an. Liegt die aktuelle Entnahmequote mehr als 20 Prozent über der Startquote, bei 4 Prozent also über 4,8 Prozent, kürzen Sie die Entnahme um 10 Prozent; in den letzten 15 Jahren des Planungszeitraums entfällt diese Kürzung. Liegt die Quote mehr als 20 Prozent darunter, also unter 3,2 Prozent, erhöhen Sie um 10 Prozent. Nach einem Verlustjahr verzichten Sie außerdem auf die Inflationsanpassung.
Die Idee überzeugt, die Originalform hat für deutsche Ruheständler aber einen Haken. Sie bezieht sich auf die Startquote, und die bleibt nur stabil, wenn das Depot über die Jahre ungefähr erhalten bleibt. Wer sein Vermögen bis 95 aufbrauchen will, erlebt eine steigende Entnahmequote dagegen als Normalfall. Bei den Hoffmanns würde die Regel selbst im gleichmäßigen Verlauf, in dem nichts schiefgeht, mit 75 und noch einmal mit 79 eine Kürzung auslösen, auf zuletzt 1.215 Euro im Monat. Mit 95 blieben fast 179.000 Euro ungenutzt. Nach dem schwachen Start sinkt die Entnahme sogar dauerhaft auf 984 Euro (beides ohne die Inflationsregel gerechnet). Wir beziehen die Leitplanken deshalb nicht auf die Startquote, sondern auf die Entnahme, die das Depot bis zum Ende des Planungszeitraums tragen kann. Wie das geht, zeigen wir weiter unten.
Boden und Decke
Sanfter arbeitet ein Prinzip, das der Fondsanbieter Vanguard als dynamische Entnahmestrategie beschreibt. Ausgangspunkt ist eine feste Quote vom Depotwert, die jährliche Veränderung der Auszahlung wird aber begrenzt. Gebräuchlich sind eine Obergrenze von plus 5 Prozent und eine Untergrenze von minus 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, jeweils real. Das Einkommen ändert sich so nur in kleinen Schritten. Dafür summieren sich die Kürzungen in einer langen Schwächephase über viele Jahre, und Sie müssen jedes Jahr nachrechnen.
Restlaufzeit-Methode
Bei dieser Methode berechnen Sie die Entnahme jedes Jahr neu aus dem aktuellen Depotwert und der verbleibenden Zeit bis zum Ende Ihres Planungszeitraums. Dafür teilen Sie den Depotwert durch einen Faktor, der von der Restlaufzeit und der angenommenen Rendite abhängt; wir nennen ihn im Folgenden Teiler. Mit 67 und einem Horizont bis 95 beträgt er bei 2 Prozent realer Rendite 21,7. Aus 450.000 Euro werden so rund 20.700 Euro im Jahr. Weil der Teiler mit jedem Jahr kleiner wird, steigt die Entnahmequote automatisch, und das Vermögen ist am Ende des Planungszeitraums planmäßig verbraucht.
Die Methode nutzt das Vermögen vollständig, reagiert aber auf jede Kursbewegung. Nach dem schwachen Start fiele die Entnahme der Hoffmanns von 1.728 auf 1.121 Euro im Monat, um danach mit der Erholung bis auf 1.699 Euro zu steigen. Als Kompass ist der Teiler hervorragend, als alleinige Regel schwankt er uns zu stark.
Puffer und Töpfe: sinnvoll, aber keine Entnahmeregel
Häufig empfohlen wird, zwei bis drei Jahresentnahmen auf Tagesgeld oder in kurz laufenden Anleihen zu halten und in schwachen Börsenjahren daraus zu leben, statt Aktien mit Verlust zu verkaufen. Manche teilen ihr Vermögen auch in drei Töpfe für die kurze, mittlere und lange Frist. Wir halten einen solchen Puffer für vernünftig, nicht zuletzt, weil er hilft, in einem Crash die Nerven zu behalten. Er beantwortet aber eine andere Frage: Er bestimmt, woher das Geld kommt, nicht, wie viel Sie entnehmen. Wer nach einem Einbruch unverändert 18.000 Euro im Jahr herausnimmt, verbraucht sein Gesamtvermögen genauso schnell, nur zuerst aus dem sicheren Teil. Rechnen Sie den Puffer deshalb zum sicheren Teil Ihrer Anlage, und legen Sie zusätzlich fest, nach welcher Regel Sie die Entnahme anpassen.
Unser Vorschlag: fest für den Grundbedarf, flexibel für den Rest
Aus den Rechnungen ziehen wir einen klaren Schluss. Für Ruheständler in Deutschland, deren gesetzliche Rente einen großen Teil der Ausgaben deckt, sind flexible Auszahlungen in einer milden Form die bessere Wahl. Die Rente wirkt dabei als Boden, den es in den amerikanischen Studien nicht gibt: Kürzungen treffen nur die Entnahme aus dem Depot, nicht das gesamte Einkommen. Gleichzeitig sollte die Regel so einfach sein, dass Sie sie auch in einem Crash-Jahr anwenden, und sie sollte nicht ohne Not kürzen.
Wir schlagen deshalb eine Korridor-Regel in vier Schritten vor:
- Teilen Sie die Lücke auf. Welcher Teil der monatlichen Entnahme deckt Grundbedarf, welcher Wunschausgaben? Bei den Hoffmanns sind es 600 Euro Grundbedarf und 900 Euro Wünsche. Den Grundbedarfsanteil kürzen Sie nicht.
- Starten Sie unter der tragbaren Entnahme. Teilen Sie Ihr Depot durch den Teiler aus der Tabelle unten. Ihre geplante Jahresentnahme sollte darunter liegen; gut 10 Prozent Abstand sind ein vernünftiger Puffer.
- Prüfen Sie einmal im Jahr. Berechnen Sie zu Jahresbeginn die tragbare Entnahme neu: aktueller Depotwert geteilt durch den Teiler für Ihr Alter. Liegt Ihre geplante Entnahme mehr als 10 Prozent darüber, kürzen Sie sie um 10 Prozent. Liegt sie mehr als 20 Prozent darunter, erhöhen Sie sie wieder um 10 Prozent, höchstens bis zum ursprünglichen Betrag zuzüglich Inflation.
- Planen Sie den Ernstfall. Würde eine Kürzung den Grundbedarfsanteil antasten, reicht Flexibilität allein nicht mehr. Dann sind größere Schritte nötig, etwa dauerhaft niedrigere Fixkosten, eine kleinere Wohnung oder ein Hinzuverdienst.
Den Teiler entnehmen Sie dieser Tabelle. Sie gilt für eine Planung bis 95 und 2 Prozent reale Rendite. Zwischenwerte können Sie schätzen oder im Ruhestandsrechner ermitteln.
| Alter zu Jahresbeginn | Jahre bis 95 | Teiler | tragbare Entnahme je 100.000 € im Monat |
|---|---|---|---|
| 60 | 35 | 25,5 | 327 € |
| 63 | 32 | 23,9 | 348 € |
| 65 | 30 | 22,8 | 365 € |
| 67 | 28 | 21,7 | 384 € |
| 70 | 25 | 19,9 | 418 € |
| 75 | 20 | 16,7 | 500 € |
| 80 | 15 | 13,1 | 636 € |
| 85 | 10 | 9,2 | 910 € |
| 90 | 5 | 4,8 | 1.733 € |
So wirkt die Regel bei den Hoffmanns: Nach dem ersten Verlustjahr liegt die tragbare Entnahme mit 68 bei 1.278 Euro im Monat, ihre geplanten 1.500 Euro also mehr als 10 Prozent darüber. Sie kürzen auf 1.350 Euro, nach dem zweiten Verlustjahr noch einmal auf 1.215 Euro. Dabei bleibt es bis 83. Mit der Erholung steigt die tragbare Entnahme wieder; mit 84 erhöhen die Hoffmanns auf 1.337 Euro, mit 87 auf 1.470 Euro und mit 90 wieder auf den vollen Betrag. Die Tabelle stellt die drei Regeln in allen drei Verläufen nebeneinander:
| Verlauf | Regel | niedrigste Entnahme pro Monat | Entnahmen von 67 bis 94 insgesamt | Depot mit 95 |
|---|---|---|---|---|
| Gleichmäßig 2 % | fest | 1.500 € | 504.000 € | 103.200 € |
| Korridor-Regel | 1.500 € | 504.000 € | 103.200 € | |
| feste Quote 4 % | 850 € | 385.000 € | 249.800 € | |
| Schwacher Start | fest | 0 € ab 91 | 427.800 € | mit 90 aufgebraucht |
| Korridor-Regel | 1.215 € | 443.900 € | 33.800 € | |
| feste Quote 4 % | 836 € | 306.700 € | 249.800 € | |
| Crash ohne Erholung | fest | 0 € ab 88 | 360.200 € | mit 87 aufgebraucht |
| Korridor-Regel | 1.094 € | 382.500 € | 2.100 € | |
| feste Quote 4 % | 552 € | 257.600 € | 162.100 € |
Ehepaar Hoffmann, 450.000 Euro Depot, geplante Entnahme 1.500 Euro im Monat. Alle Beträge real, Entnahme zu Jahresbeginn.
Im gleichmäßigen Verlauf greift die Korridor-Regel nie ein; die Hoffmanns entnehmen dasselbe wie mit festen Auszahlungen. Nach dem schwachen Start kostet sie das Paar 15 Jahre lang 285 Euro im Monat. Sein Haushaltseinkommen sinkt damit von 3.900 auf 3.615 Euro, um gut 7 Prozent, das Budget für Wunschausgaben von 900 auf 615 Euro. Das ist spürbar, aber verkraftbar. Dafür reicht das Geld bis 95, und insgesamt entnehmen die Hoffmanns sogar gut 16.000 Euro mehr als mit festen Auszahlungen, weil sie in der Baisse weniger Anteile zu niedrigen Kursen verkaufen. Im härtesten Fall ohne Erholung kürzen sie ab 73 auf 1.094 Euro. Ihr Haushaltseinkommen liegt dann knapp unter 3.500 Euro und damit immer noch fast 500 Euro über dem Grundbedarf. Mit festen Auszahlungen stünden sie ab 88 mit 2.400 Euro da.
Die feste Quote schneidet beim Einkommen in allen drei Verläufen am schlechtesten ab. Sie hinterlässt das größte Vermögen, das bei den Hoffmanns aber niemand eingeplant hat.
Wer in guten Jahren mehr ausgeben möchte, kann die Obergrenze in Schritt 3 lockern und Erhöhungen über den Ausgangsbetrag hinaus zulassen, etwa bis 20 Prozent darüber. Beginnt der Ruhestand der Hoffmanns mit zwei guten Jahren, plus 15 und plus 10 Prozent und danach weniger, im Schnitt wieder 2 Prozent, dürften sie ab 69 dauerhaft 1.800 Euro im Monat entnehmen. Mit 95 lägen trotzdem noch gut 56.000 Euro im Depot.
Drei Verläufe sind allerdings keine Statistik. Sie zeigen die Mechanik, nicht die Wahrscheinlichkeit. Wie oft ein Plan in Tausenden möglichen Marktverläufen hält, beantwortet eine Monte-Carlo-Simulation, wie sie der Ruhestandsrechner verwendet.
Für wen eignet sich welche Variante?
Feste Auszahlungen halten wir dann für vertretbar, wenn die Entnahme deutlich unter der tragbaren liegt. Wer mit 67 nur 3 Prozent seines Depots entnimmt statt der rechnerisch möglichen 4,6 Prozent, hat einen so großen Abstand, dass ein schlechter Start den Plan kaum gefährdet. Auch wer nur wenig aus dem Depot braucht oder keine jährliche Rechnung aufmachen will, ist mit einer vorsichtig angesetzten festen Entnahme gut bedient.
Die Korridor-Regel passt zu den meisten Ruheständlern, deren Depot eine Lücke von einigen hundert bis einigen tausend Euro im Monat schließen soll und deren Ausgaben einen nennenswerten Wunschanteil enthalten. Je größer dieser Anteil, desto leichter fällt eine Kürzung.
Eine feste Entnahmequote oder das Leben von Ausschüttungen eignet sich für Anleger, deren Rente den Grundbedarf schon deckt und die ihr Vermögen erhalten oder vererben wollen.
Schwieriger ist die Lage für Frühaussteiger, die bis zum Rentenbeginn ihren gesamten Lebensunterhalt aus dem Depot bestreiten. In der Brückenphase besteht die Entnahme überwiegend aus Grundbedarf, und es gibt wenig, was sich kürzen ließe. Für diese Jahre empfehlen wir, einen großen Teil des benötigten Geldes in sichere Anlagen wie Tagesgeld, Festgeld oder kurz laufende Anleihen zu legen und die flexible Regel erst ab Rentenbeginn auf das übrige Depot anzuwenden. Wie sich die Brückenjahre planen lassen, erklären wir im Ratgeber Mit 60 aufhören zu arbeiten.
So setzen Sie den Entnahmeplan um
Automatischer Entnahmeplan oder Jahresentnahme?
Einige Banken und Broker bieten an, monatlich oder vierteljährlich automatisch Anteile für einen festen Betrag zu verkaufen und den Erlös auf das Referenzkonto zu überweisen. Das ist bequem, passt aber vor allem zu festen Auszahlungen. Für eine flexible Regel brauchen Sie ohnehin einen jährlichen Termin, an dem Sie Depotwert und tragbare Entnahme vergleichen.
Wir empfehlen deshalb ein einfaches Verfahren. Verkaufen Sie einmal im Jahr, zum Beispiel im Januar, Anteile in Höhe der Entnahme für die nächsten zwölf Monate und legen Sie das Geld auf ein Tagesgeldkonto. Ein Dauerauftrag überweist von dort jeden Monat den gewünschten Betrag auf Ihr Girokonto, ähnlich wie früher das Gehalt. Wer das Verkaufsrisiko nicht an einem einzigen Tag bündeln möchte, verteilt den Verkauf auf zwei Termine. Lässt Ihre Bank keinen Dauerauftrag vom Tagesgeldkonto zu, eignet sich das Verrechnungskonto des Depots.
Auch die Kosten sprechen für wenige, größere Verkäufe. Bei Neobrokern kostet eine Order meist rund einen Euro, bei manchen Direktbanken knapp 8 Euro und mehr. Bei zwölf Verkäufen im Jahr sind das zwischen gut 10 und rund 100 Euro, dazu kommt jedes Mal die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs. Prüfen Sie bei einem automatischen Entnahmeplan, was eine Ausführung kostet.
Welche Anteile Sie verkaufen
Wenn Sie Aktien-ETFs und sichere Anlagen kombinieren, nutzen Sie die Entnahme gleich zum Ausgleich der Gewichte. Verkaufen Sie vor allem den Teil, der über seinen geplanten Anteil gestiegen ist. Nach guten Börsenjahren sind das Aktien; nach einem Einbruch entnehmen Sie aus dem sicheren Teil und geben den Aktien Zeit, sich zu erholen. So wirkt die Entnahme wie eine regelmäßige Umschichtung, ohne dass Sie zusätzlich handeln müssen.
Ob Ihr ETF ausschüttet oder thesauriert, ist dagegen zweitrangig. Ausschüttungen zählen Sie einfach zur Jahresentnahme und verkaufen nur noch den Rest.
Steuern und Krankenversicherung
Steuern fallen nur auf den Gewinnanteil der verkauften Anteile an. Die Abgeltungsteuer beträgt mit Solidaritätszuschlag 26,375 Prozent, bei Aktien-ETFs bleiben durch die Teilfreistellung 30 Prozent des Gewinns steuerfrei, und der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Person, für zusammen veranlagte Ehepaare 2.000 Euro, gilt auch im Ruhestand. Verkauft werden stets zuerst die ältesten Anteile, bei langjährigen Sparern also die mit den höchsten Gewinnen. Ist Ihr übriges Einkommen gering, kann sich die Günstigerprüfung in der Steuererklärung lohnen. Ausführlich rechnen wir die Steuer auf Entnahmen im Ratgeber zur 4-Prozent-Regel vor.
Einen Unterschied macht die Steuer beim Vergleich von Ausschüttung und Verkauf. Bei einer Ausschüttung ist der gesamte Betrag Ertrag, bei einem Verkauf nur der darin enthaltene Gewinn. Erhielten die Hoffmanns ihre 18.000 Euro vollständig als Ausschüttung eines Aktien-ETFs, würden 2.796 Euro Steuern fällig. Verkaufen sie stattdessen Anteile, deren Wert zur Hälfte aus Gewinn besteht, sind es 1.134 Euro. Ganz so groß ist der Vorteil auf lange Sicht nicht, weil die im Depot verbleibenden Gewinne später ebenfalls versteuert werden. Der Verkauf lässt Ihnen aber mehr Spielraum, wann und in welcher Höhe Gewinne anfallen.
Wer im Ruhestand freiwillig gesetzlich krankenversichert ist, zahlt zudem Beiträge auf Kapitalerträge; in der Krankenversicherung der Rentner bleiben sie beitragsfrei. Einzelheiten erklärt unser Ratgeber zur Krankenversicherung als Privatier.
Feste und flexible Ausgaben im Ruhestandsrechner vergleichen
Unsere Beispielrechnung arbeitet mit drei festgelegten Verläufen. Der Ruhestandsrechner geht einen Schritt weiter: Sie tragen Vermögen, Ausgaben, Rentenbeginn und Nettorente ein, und der Rechner spielt statt einer festen Rendite viele mögliche Marktverläufe durch. Dabei können Sie feste Ausgaben mit flexiblen Anpassungen in schwachen Marktphasen vergleichen und sehen, wie sich die Erfolgsquote verändert, wenn Sie in schlechten Jahren etwas weniger entnehmen. Was eine Erfolgsquote von beispielsweise 90 Prozent aussagt und was nicht, erklären wir im Beitrag zur Monte-Carlo-Simulation.
Eine Einschränkung sollten Sie kennen: Beiträge zur freiwilligen Kranken- und Pflegeversicherung berechnet der Rechner nicht automatisch. Sind Sie davon betroffen, tragen Sie diese Beiträge zusätzlich als Ausgabe ein.
Häufige Fragen
Wie viel kann ich aus meinem ETF-Depot monatlich entnehmen?
Bei 2 Prozent realer Rendite und Kapitalverzehr bis 95 trägt ein Depot von 100.000 Euro ab 67 rund 384 Euro im Monat, ab 60 rund 327 Euro, jeweils inflationsangepasst. Für 300.000 Euro sind das ab 67 etwa 1.150 Euro, für 500.000 Euro etwa 1.920 Euro. Starten Sie mit etwas Abstand zu diesen Werten und passen Sie die Entnahme nach schwachen Börsenjahren an. Wie lange ein bestimmter Betrag reicht, zeigt unser Ratgeber zum Kapitalbedarf im Ruhestand.
Lohnt sich ein Entnahmeplan ohne Kapitalverzehr?
Nur, wenn Ihr Vermögen deutlich größer ist als Ihr Bedarf oder wenn Sie bewusst vererben wollen. Real erhalten bleibt das Kapital nur, wenn Sie nicht mehr als die reale Rendite entnehmen, bei 2 Prozent also 163 Euro je 100.000 Euro im Monat. Wer sich ohne Kapitalverzehr 3.000 Euro im Monat auszahlen möchte, bräuchte dafür vor Steuern rund 1,8 Millionen Euro.
Welche Kosten fallen bei einem ETF-Entnahmeplan an?
Neben den laufenden Kosten der ETFs, bei breit gestreuten Indexfonds meist 0,1 bis 0,3 Prozent im Jahr, zahlen Sie für jeden Verkauf Ordergebühren und die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs. Hinzu kommen Steuern auf die Gewinnanteile. Wer selten und in größeren Beträgen verkauft, hält die Kosten am niedrigsten.
Kann ich von Dividenden leben?
Ja, aber nur mit einem großen Vermögen. Ein weltweit gestreuter Aktien-ETF schüttet derzeit kaum mehr als 2 Prozent im Jahr aus. Für die 18.000 Euro der Hoffmanns bräuchte es bei 2 Prozent Dividendenrendite 900.000 Euro, doppelt so viel, wie sie besitzen. Wer gezielt dividendenstarke Aktien auswählt, erhält höhere Ausschüttungen, streut aber schlechter und zahlt auf jede Ausschüttung Steuern auf den vollen Betrag. Wirtschaftlich ist eine Dividende ohnehin eine Entnahme wie jede andere. Es kommt darauf an, wie viel Sie insgesamt herausnehmen.
Sollte ich monatlich oder jährlich entnehmen?
Für die Rendite macht das kaum einen Unterschied. Wir empfehlen eine jährliche Entnahme auf ein Tagesgeldkonto mit monatlichem Dauerauftrag, weil Sie dabei ohnehin einmal im Jahr prüfen, ob Ihre Entnahme noch zum Depot passt, und weil weniger Verkäufe weniger kosten.
Was passiert, wenn ich älter als 95 werde?
Dann ist das Depot nach unserer Planung weitgehend verbraucht, die gesetzliche Rente läuft aber lebenslang weiter. Wer sich damit nicht wohlfühlt, plant bis 100. Der Teiler mit 67 steigt dann von 21,7 auf 24,5, die tragbare Entnahme sinkt von 384 auf 341 Euro je 100.000 Euro im Monat. Alternativ halten Sie eine eiserne Reserve, die gar nicht in den Entnahmeplan eingeht. Eine Kürzungsregel verhindert, dass das Depot früher leer ist als geplant; vor einem Leben über den Planungshorizont hinaus schützt sie nicht.
Unser Fazit
Feste Auszahlungen sind bequem, aber sie machen Ihren Ruhestand von den ersten Börsenjahren abhängig. Im Beispiel der Hoffmanns reicht dieselbe Durchschnittsrendite einmal bis weit über 95 und einmal nur bis 90, je nachdem, wann die Verluste kommen. Rein flexible Regeln wie die feste Entnahmequote lösen dieses Problem, verschieben das Risiko aber vollständig auf Ihr Einkommen und lassen am Ende viel Geld ungenutzt.
Für die meisten Ruheständler in Deutschland halten wir eine Mischung für richtig. Den Grundbedarf decken die Rente und ein fest eingeplanter Teil der Entnahme, die Wunschausgaben passen Sie an, wenn das Depot schwächelt. Dafür genügt eine einfache Regel: einmal im Jahr das Depot durch den Teiler für Ihr Alter teilen, bei mehr als 10 Prozent Überschreitung um 10 Prozent kürzen und nach der Erholung wieder erhöhen. Das kostet in schlechten Verläufen einige hundert Euro im Monat, verhindert aber, dass Ihnen mit Ende 80 nur noch die Rente bleibt. Ein Entnahmeplan ohne Kapitalverzehr lohnt sich nur, wenn Sie deutlich mehr Vermögen haben, als Sie brauchen.
Den Betrag, mit dem Sie starten, sollten Sie nicht nach Gefühl festlegen. Prüfen Sie im Ruhestandsrechner, wie Ihr Plan mit festen und mit flexiblen Ausgaben über viele mögliche Marktverläufe abschneidet, und wählen Sie die Startentnahme so, dass ein Abstand zur tragbaren Entnahme bleibt. Diesen Abstand werden Sie in einem schlechten Börsenjahr zu schätzen wissen.
Stand: Oktober 2026. Rechenannahmen: Beträge in heutiger Kaufkraft, Entnahme jeweils zu Jahresbeginn, reale Nettorendite 2 Prozent pro Jahr nach Kosten und Steuern, sofern nicht anders angegeben; Inflation in den Nominalbeispielen 2 Prozent; Planungshorizont bis 95. Die Marktverläufe der Hoffmann-Rechnung sind Stresstests, keine Prognosen. Die Korridor-Regel ist ein redaktioneller Vorschlag. Steuerwerte nach Rechtsstand 2026, ohne Kirchensteuer. Quellen: Morningstar, „The State of Retirement Income“ (Dezember 2025) und Folgeauswertungen 2026; Jonathan T. Guyton, William J. Klinger, „Decision Rules and Maximum Initial Withdrawal Rates“, Journal of Financial Planning, März 2006; Vanguard Research zur dynamischen Entnahmestrategie; Handelsblatt, ETF-Broker-Vergleich 2026 (Ordergebühren).